Honte à qui peut chanter (Brassens)

Honte à cet effronté, qui peut chanter pendant
que Rome brûle, elle brûl’ tout l’ temps
Honte à qui malgré tout fredonne des chansons
à Gavroche, à Mimi Pinson.

Neunzehnhundertundfünfzig, -sechzig, Aufbaujahrzehnt
Wiederbewaffnung, Wiedervereinigung glatt abgelehnt
Sag mir, wo die Blumen sind (1) - et dansez, Milord (2)
Une valse à mille temps (3), Rock n Roll, Tanz und Sport
Schimpf, Schande über den, der singen kann, wie du,
wenn Rom abbrennt, s’brennt immerzu
Schimpf, Schande, wer wie die noch Lieder singt dazu
für Hansnarr und sein Rendezvous!

In den Sechziger Jahrn war noch der Notstand Gesetz
wildgewordene Bullen, APO und Bürgerschrecks
Spiel nicht mit den Schmuddelkindern 4, Michelle ma
belle (5), I’m a Jumping Jack Flash (6), it’s a gas, gas, - gell?

Siebziger-Ideologiestreit, Terror, Knast, auf Verdacht
haben die Militärs tabula rasa gemacht
während wir noch den Rattenfänger (7) sangen und dann
Ikarus (8), die Ballade vom Kameramann (9)

Achziger Jahre, die Zeitgeistwende, Anpassungsdrill
Friedensbewegung - wohin? Rüstungswahn, License to kill (10)
Täglich die Kristallnaach (11), Moon over Bourbon Street (12)
Immer lustig, vergnügt, bis der Arsch im Sarge liegt (13)
1990, schon 2000 in Sicht
Unruhe ist neuerdings die erste Staatsbürgerpflicht
Lustwandeln unter den Linden, auf den Champs-
Elysées von Berlin, und man singt: Honte à qui ...

Feuer eilt über Land, die ewge Stadt brennt bald ganz
Wenn Gott den großen Brand will, dann auch den Feuer-
tanz Wen würde man auch glauben machen, daß
jedermann, wenn er trotzdem gern mitsingt,
ein Arsch ist - na dann: Schimpf, Schande über den ...


1 von Pete Seeger, 2 von Georges Moustaki für Edith Piaf,
3 Jacques Brel, 4 Franz-Josef Degenhardt (1965),
5 The Beatles, 6 The Rolling Stones (Mai 68), 7 Hannes Wader,
8 Reinhard Mey, 9 Wolf Biermann, 10 Bob Dylan (”Infidels” 1983),
11 BAP, 12 Sting, 13 Udo Lindenberg



Erst nach dem Tode von Georges Brassens (1981) kamen noch um die 20 Titel von ihm heraus, eingesungen von Jean Bertola & ein paar swingigen Jazzern - auch dieses mit Zitaten aus populären Chansons quer durch die Weltkriegs- und Nachkriegsjahrzehnte gespickte Liedchen, das wir natürlich "übertragen" haben auf die Musik der Sixties, Seventies usw., die uns geprägt hat; Liedermacher auch, die als Pioniere des dann doch wieder deutschsprachigen Lieds vorangegangen sind: von Bob bis BAP - was für ein langer Weg - bis zu sich selbst! Carsten singt die 1. + 5., Uwe die 2. + 4., WL die 3. + 6. Strophe.
Eine erste Version dieser Art (im Wechselgesang mit Dirk Steinert, 1990, bearb. 1997) befindet sich auf der CD "changsongs" (produziert von Ralf Heß, SOUNDLAB, Nittel).