Liebesroman (Neuauflage)

Georges Brassens (posth., 1982): Retouches
à un roman d’amour de quat’ sous

Deutsch von WL Woltähr (1998, 2004 + 06)

Madame, même à quatre sous
notre vieux roman d’amou souf-
frirait certes quelque mévente
Il fut minable – permettez
que je farde la vérité
/: la réinvente :/

Madam’, auch als ein Groschenheft
wär’ uns’re Liebe kein Geschäft
es sei denn, dass man etwas schwind’le
Es war banal – also erlaubt,
dass ich die Wahrheit überhaupt
/: ganz neu erfinde :/

Wir trafen uns in einer Bar
jeder Vernunft*, für die Clochards:
Der letzte Abfuck von Pigalle!
Ich werd’ behaupten, dass wir einst
einander sahen beim Glas Wein
/: auf der Biennale :/ * auch in Berlin!

Vergiß das lausige Hotel
wo wir uns liebten, viel zu schnell
Forget it, wie wir dabei aussah’n
Es scheint mir günstiger zu sein
es zu verlegen in so ein
/: Landhaus am Ozean :/

Die Engel flogen etwas tief
und ihre Seufzer klangen schief
Seien wir nicht so zugeknöpft und
geh’ die Musik aufdreh’n im Haus
über die Schallmauer hinaus
/: bis zur Erschöpfung :/

Und lassen wir vor’m Schlafengehn
noch uns’ren Honigmond aufgehn
Das mit dem Honeymoon erledigt
sich nie so ganz, tun wir es denn
unter dem Himmel von Vienne
/: oder Venedig :/

Doch eines Tages flog dein Herz
auf und davon, du gingst auswärts
und hast es glatt mit mir verdorben
Ich werd’ es so hinstellen, als
sei’st du mit einem Frosch im Hals
/: vornehm gestorben :/

Wie die „Kameliendame“ (s. Nr. 30)