(24) Frankos Lied
Walter Liederschmitt

So stand ich jüngst auf meinem Turm
und schaute nach dem Mond, ein Wurm
glühwürmchenähnlich auf-
gegangen, sah hinauf,
die Milchstraße herauf
geschlendert kommend, auf
der Suche nach der Venus, Mars
stand irgendwie im Weg: So war’s.

So war das. Und der König geht
diesmal nicht nach Canossa, steht
in Rom am Palatin,
will Kaiser sein, es schien
sein Bruder, Balduin
von Trier, begleitet ihn.
Der Papst ist aber in Avignon
und dient dem französischen Thron!

Der schöne Philipp von Frankreich
ist ein knallharter Bursch, bereich-
ert sich an Gut und Geld
der Tempelritter, stellt
sie vor Gericht, verprellt
den Papst, Gott und die Welt.
Und Balduin wird sich vorsehn
und England unterstützen gehn.

Doch auch der Bischof macht mal Murks
von Gottes Gnaden Luxemburgs
verlängerter Arm in Trier,
führt er sich auf wie’n Stier
im Amphitheater, gier-
ig nach Blutwurst und Bier.
Der Stadtrat, den er fast entmacht-
et hätt’, hat ihm nur Heu gebracht.

So stand ich jüngst auf meinem Turm
und schaute nach dem Mond. Ein Wurm
ist doch der Mensch! Du bist,
das, was du schluckst und isst.
Saturn, der Kinder frisst,
ist aussen vor. Ihr wisst:
Das Leben hat doch nur den Sinn,
den ihr ihm gebt, da mittendrin!

So wahr ich Frank von Senheim bin.

1/2006 Frankenturm-Benefiz-Initiative