Schießt nicht auf die Pianistin!
G. Brassens: A l’ombre des maris (1972)
Dt. v. WL Woltähr 12/1998

Trotz der Moralapostel
auf den Kommandobrücken:
Hätt‘ ich einst die Befehlsgewalt in der Seenot
der TITANIC gehabt, hätt‘
ich geschrien: Wir sinken!
Doch lasst die Ehebrecher als Erste ins Boot!!

Ne jetez pas la pierre à la femme adultèr‘:
Je suis derrière!


Denn zur Zufriedenheit
zum Lustgewinn des kompletten
Singlehaushalts, mit nix als ’m Kühlschrank an Bord
gibt es nix Exquisiteres
als eine untreue Gattin
Mein Glück liegt hinter dem Rücken der Männer vor Ort

Der Ehemänner im Glück
Da gibt es solche und solche
Kommt darauf an, denn die sind mir überhaupt nich‘ egal
Wenn mir hier die Frau Hoffmann
ausgesprochen gefällt, dann
muss mir auch dieser Hoffmann gefallen – na klar!

Wenn sie ein bisschen Geschmack hat
und sich mit mir gerne einlässt
hat sie, als sie sich mit ihm einließ, auch gut gewählt
So bekuck‘ ich mir den Gatten
und weigere mich zu trinken
aus dem Glas eines Herrn, der mir gar nicht gefällt

Ist lange her schon, dass ich, noch
ohne allzuviel Praxis,
mich in die Frau eines Bullen verkuckt hab – Oh leck!
Hatte es damals noch nicht be-
sonders mit der Ästhetik
Diese Geschmacksverirrung! die machte mich jeck

Das ist heut nun ganz anders
Was ich da neulich erlebt hab‘
Als die Geliebte mich für einen andern verließ
hab ich geschrien: Das reicht jetzt
dass die Affäre nun aus sei
Da fleht ihr Mann mich an: Verlassen Sie mich nie!

Schießt nicht auf die Pianistin
noch die Amüsierdamen
Wenn eine später nach Hause kommt mit ihrem Kerl
das Kindermädchen auch frei hat
der Ehemann wieder aus ist
bin ich der Babysitter, der auch das nicht verlernt

Ne jetez pas la pierre à la femme adultèr‘:
Je suis derrière!
Ne jetez pas la pierre à la femme adult‘

Dt./Schießt nicht auf die, die mal fremdgehen will
denn: Ich steh‘ dahinter!

Es gibt auch diesen Filmtitel: Schießen Sie auf den Pianisten
(von François Truffaut, mit Charles Aznavour). Deshalb hier mal
eine Alternative dazu: eine erwachsene Frau! (adulte)

Live im Okt-Nov. 2011 (zum 30. Todestag von Brassens)