(38) Mosella-Vision

Hic ego et agrestes Satyros et glauca tuentes
Naidas extremis credam concurrere ripis

Hier treffen die ruppigen Satyrn vom Lande Najaden
Mit blaugrünen Augen, wenn sie dort am Flussufer baden
Der bockige Pan, wild geworden, ausschweifend und lüstern
im Wasser herumspringt, die ängstlichen Schwestern sich schüchtern
erschrecken, die Satyrn
sie necken, reagiern auf
was sie da sehn

Sed non haec spectatu ulli nec cognita visu
Doch dieses Spektakel hat niemand noch niemals geschaut
Nur ich! Und verrat’ es nicht dem, der fragt: Was wirklich siehst du?
Das bleibt mein Geheimnis, verschwiegen dem Fluss anvertraut.

Man sagt, dass die Satyrn die Nymphen zum Tanze auffordern
Wenn mittags die Sonne am höchsten steht, Tanzmusik ordern
Und zusehn, wie sie eins von all diesen Mädels im Fluss erhaschen
Doch nur blankes Nass, nicht die schlüpfrigen Schönen zu fassen
bekommen, die Nymphen
verschwommen den Sümpfen zu
weggleiten sehn

Sed non haec spectatu ulli nec cognita visu
Doch dieses Spektakel hat niemand noch niemals geschaut
Nur ich! Und verrat’ es nicht jedem, der fragt: Was wirklich siehst du?
Das bleibt mein Geheimnis, verschwiegen dem Fluss anvertraut.

So floh die Flussnymphe Panope auch schon vor den Faunen
Die sich wie die Götter gebärdeten, den Gockeln, Kapaunen ähnlich,
hat bei den verwandten Berggeistern ein paar Trauben genascht und
inmitten des Weinbergs etwas von dem Nektar erhascht, den
die Griechen schon aßen
die auf dem Olymp saßen
wie wir auf dem Calmont stehn

Calidus mons (lat.), der heiße Berg, ist der Steilhang bei Ediger-Eller a.d. Mosel
(wo es in den Cochemer Eisenbahntunnel geht): Weinlage „Bremmer Calmont“